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Forschung | Die Internierungsorte

Studien zu den Straf- und Internierungsorten 1938-1945

Im Jahr 1999 hat die Fondation mit der wichtigen Arbeit einer Bestandsaufnahme der Inhaftierungsorte, die zwischen 1938 und 1945 in Frankreich und in den ehemaligen Kolonien genutzt wurden, begonnen. Eine Arbeitsgruppe leitet die Forschungen, die von Mitgliedern des Verteidigungsministeriums  (Direction Mémoire Patrimoine et Archives), des Kultusministeriums (Archiv de France), Historikern und Wissenschaftlern, sowie Mitgliedern von Vereinen und Vereinigungen von ehemaligen Inhaftierten durchgeführt werden.

Um dieses Projekt führen zu können, profitiert die Stiftung von finanzieller Unterstützung verschiedener Institutionen: dem Premierministerium, dem Verteidigungsministerium (Sekretariat für ehemalige Soldaten), der Europäischen Kommission und der Stadt Paris.

// Das Projekt

Das Ziel der Fondation ist es, ein umfassendes Inventar der Dokumente über die Inhaftierungsorte Frankreichs zu sammeln. Vorgesehen ist eine Datenbank, die die Informationen archiviert und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Die Orte sind nach folgenden Punkten aufgelistet:

  • Name des Ortes
  • Geographische Lage
  • Bezeichnung und Kategorie
  • Verwaltung
  • Funktionszeitraum
  • Häftlinge
  • Quellen und Bibliographien

// Arbeit

Das Recherchefeld ist groß, die Archive zahlreich und weit verteilt und die Quellen wichtig. Aber gerade diese Vielfalt der Quellen (historische Werke, Zeitzeugenberichte, öffentliche und private Archive, Vereine und Einzelpersonen) ermöglicht es, die wesentlichen Informationen zu sammeln. Zusätzlich wurden Kooperationsverträge mit den Archiven, dem „Nationalen Büro für ehemalige Soldaten“ und  dem „Förderverein der Fondation“ geschlossen. Die Vernetzung und die Kompetenzen der Stiftung und ihrer Partner bilden so einen sich ergänzenden Zusammenschluss des Wissens über Internierungsorte.

Inhaltlicher Teil der Forschungen sind alle Orte, an denen Menschen von den unten aufgelisteten Gruppierungen eingeschlossen, inhaftiert und durch behördliche Vorgänge zur Vorbeugung der Freiheit beraubt wurden:

  • Die Autoritäten der III. Republik (November 1938 bis Juni/Juli 1944)
  • Die Vichy-Regierung (Juli 1940 bis August 1944)
  • Die Besatzungsmächte (Deutschland, Italien, Japan) in Frankreich und im Kolonialreich (Juni 1940 bis September 1945)
  • Die vorrübergehende Regierung der französischen Republik (September 1944 bis Mai 1946)

// Die Internierungsorte von 1938 bis 1945

Chronologie
1939-1946: Diese Eingrenzung unterscheidet sich nur leicht von der Zeitspanne des Zweiten Weltkrieges. So wurde am 12. November 1938 das Dekret zur Einführung der behördlichen Inhaftierung verkündet und im Mai 1946 die letzten Häftlinge entlassen.

// Die verschiedenen Kategorien der Orte

A) Behördliche Einrichtungen

a) von französischen Behörden geführte Einrichtungen:
Orte, an denen Menschen durch einen behördlichen Vorgang nach den Gesetzen des 12. November 1938 (oder 18. November 1939, 3. September 1940, 15. Februar 1942, 3. März 1943 usw.) eingesperrt waren. Beispiele hierfür sind: Rieucros, Gurs, LeVernet, Fort-Barreaux, Saint-Sulpice-le-Pointe. (Diese Lager haben im Laufe der Jahre verschiedene Bezeichnungen inne gehabt: centre de séjour surveillé, centre spécial de rassemblement, camp de concentration…)

b) von deutschen Behörden geführte Einrichtungen:
Orte, an denen Menschen durch den behördlichen Vorgang der deutschen Besatzungsmacht in Frankreich eingesperrt waren: Sicherheitshaft, oder Haft durch die deutsche Polizei. Beispiele: Compiègne, Romainville, Vittel

B) Sammellager

Genutzter Raum, um Festgenommene provisorisch zusammenzuhalten, bevor sie in die behördlichen Haftlager überstellt wurden. Beispiele: Vélodrome d’Hiver, Stade Rolland-Garros (im September 1939 für Angehörige des Deutschen Reichs genutzt) oder Vénissieux (im August 1942 von der Vichy Regierung zur Sammlung der Juden der Südzone genutzt).

C) Einrichtungen zum Strafvollzug

Personen, die in Präventionshaft genommen oder vom französischen Staat mit einer Haftstrafe belegt wurden (in beiden Fällen aus politischen und ideologischen Motiven). Dazu gehören die Bereiche der deutschen Besatzer in Gefängnissen und auch die Gefängnisse, die vollständig von Deutschen geführt wurden. Diese Häftlinge wurden von deutschen Militärgerichten verurteilt, konnten diese aber in französischen Gefängnissen absitzen. Außerdem sind dort die Häftlinge der „Nacht und Nebel“-Aktionen heimlich inhaftiert. (Diese Gefängnisse gehören also zu zwei Kategorien: Gefängnisse und deutsche behördliche Inhaftierungslager).

D) Lager zur Sammlung ausländischer Arbeitskräfte

durch das Gesetz des 27. Septembers 1940 von der Vichy-Regierung beschlossen. Diese Kategorie beinhaltet Lager, in denen die Häftlinge sowohl im Lager und auch außerhalb an ihrem Arbeitsplatz überwacht wurden. (Hierbei gab es verschiedene Überwachungstypen, die sich für die Gefangenen unterschiedlich äußerten).

E) Kurzzeiteinrichtungen

a) institutionell: (von französischen Autoritäten geleitet) Zellen für Verdächtige und Präventionshäftlinge in den Gebäuden der französischen Entscheidungsstellen (die manchmal von Deutschen benutzt wurden); Beispiel: Zelle in einer Gendarmerie oder in einem Polizeikommissariat.

b) improvisiert: (vom Sicherheitsdienst oder der Miliz geführt) als Zelle umgewandelte Räume, die zur Befragung oder zum zeitlich begrenzten Festhalten der verhafteten Personen diente; Beispiel: Gestapo, Miliz

F) Repressionslager für Militär

Colditz, Lübeck, Rawa-Ruska (Ukraine), Graudenz, Kobjercyn (Polen); dort Festgehaltene haben ein Recht auf den Titel des Widerstandskämpfers „Résistant“

G) Zwangsarbeiterlager der Organisation Todt

Die deutsche Besatzermacht sammelte hier Arbeiter, die gezwungen wurden am Aufbau der „Atlantikmauer“ mitzuarbeiten. (Lager, die freiwillige Arbeiter aufgenommen haben, sind nicht mit inbegriffen.)

// Zusatzinformationen

Die Benennung dieser Orte entspricht nicht zwangsläufig den damals von den Behörden verwendeten Begriffen, sondern ist als Vorschlag für die Systematisierung aus heutiger Sicht zu sehen.

Die Originalbenennung ist den zusammenfassenden Dokumenten der Datenbank zu entnehmen.

Manche Orte wechselten zwischenzeitlich ihre Funktion und damit auch ihre Kategorie. Andere Lager hatten zum selben Zeitpunkt verschiedene Funktionen.

Diese Kategorien sind bis jetzt noch nicht Teil der Datenbank:

  • Von den italienischen Behörden eingerichtete Gefängnisse im Süd-Osten Frankreichs
  • Japanische und vietnamesische Gefängnisse
  • Spanische (unter Franco errichtete) Lager für die Flüchtlinge aus Frankreich
  • Die Militärgefängnisse in Frankreich

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