//
Das Gedenkbuch

Dieses Projekt wurde von der Stiftung im Jahr 1996 ins Leben gerufen, als ein Ergebnis der Beobachtung während der Feierlichkeiten des fünfzigsten Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager im Jahr 1995, aus Mangel an zuverlässigen numerischen Daten über die Anzahl der Deportierten aus Frankreich.

Bis September 1996 hatte ein Team von jungen Geschichtsforschern an der Universität von Caen die Möglichkeit im Rahmen des nationalen Dienstes, mit Zustimmung des Staatssekretärs für Veteranen-Angelegenheiten, in den Archiven zu forschen. Insgesamt haben 18 Personen für 7 Jahre an diesem Projekt gearbeitet, die Mehrheit als Zivildiensttätige oder als Mitarbeiter der Stiftung. Das Projekt wird von François Perrot, Vizepräsident der Stiftung und Claude Mercier, dem Generalsekretär geleitet, sowie von einem Lehrer, eingesetzt vom Ministerium für Bildung (Gerard Fournier und Thomas Fontaine).

Das Projekt erhielt Unterstützung, ohne die die Forschungen nicht möglich gewesen wären, von:

  • der Europäischen Kommission
  • der Französischen Regierung: Ministerpräsident, Bundesministerium der Verteidigung (Direktion der Erinnerung, des Erbes und des Archivs), Staatssekretär für Veteranen, Ministerium für Bildung, Ministerium für Kultur und Kommunikation, Ministerium des Innern, Abteilung für Transportation
  • dem Nationalen Amt of Veterans Affairs (ONAC) und Bezirksämter
  • dem Ile de France Regionalrat – Universität Caen Basse-Normandie (CRHQ)
  • Verbänden, Vereinen und Freundschaften von Deportierten und ihren Familien
  • der Gemeinde Val de Fontenay

// Die Gründe

Ziel ist die Identifizierung von allen in Frankreich aufgrund der Repressionen Festgenommenen und Deportierten. Das heißt, die Personen und Gruppen, die die Besatzungsmacht nicht anerkannten und deren Aktivitäten deshalb unterbunden werden sollten, sollen erfasst werden.

Ziel ist ebenso die Erstellung einer einheitlichen Liste der Deportierten. Die Informationen, die hierbei eine Rolle spielen, sind die öffentlichen Verkehrsmittel und chronologisch geführten Listen, sowie Informationen über den Einzelnen (Name, Geschlecht, Geburtsdatum und Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Familienstand) durch Lebensläufe, Krankenscheine oder Ausweise jeglicher Art.

// Ergebnis

86.827 Deportierte sind insgesamt verzeichnet, darunter 10% Frauen, aufgeteilt in

  • 86.048 durch repressive Maßnahmen verhaftete und in Konzentrationslager deportierte Personen und
  • 779 durch Verfolgung festgenommene Gefangene. Diese Anzahl umfasst Deportierte, die noch nicht in jeder (französischen) Gedenkstätten erfasst sind,  wie « Halbjuden », arische Ehepartner, Juden aus dem Gebiet der deutschen Heeresleitung in Brüssel und Sinti und Roma.

Deshalb lautet der Titel des Buches « Gedenkbuch der aus Frankreich Deportierten und aufgrund von Strafmaßnahmen und in einigen Fällen von Verfolgung Verhafteten ».

// Die Sammlung

Das Buch besteht aus 4 Bänden und umfasst fast 6.000 Seiten. Es wird von Editions Tiresias veröffentlicht.

Mit dem Vorwort von Marie-José Chombart de Lauwe, Präsidentin der Stiftung (Fondation pour la Mémoire de la Déportation),  ist dieses Buch eine kollektive Arbeit. Es enthält eine allgemeine Darstellung mit über 250 Seiten in Band 1, in der das Projekt erklärt, die genutzten Quellen vorgestellt, die Methode der Arbeit erläutert und mittels Karten die wichtigsten Ergebnisse und die wichtigsten Orte der Deportation dargestellt werden.

Die entsprechenden Texte wurden von der Gruppe von Caen entwickelt und einige auch in Zusammenarbeit mit externen Autoren verfasst, wie Mauritius Voutey, Paul Le Goupil, André Sellier, Pierre Saint-Macary (bekannt als ehemalige Häftlinge und Historiker, wie Claudine Cardon-Hamet und Yves Le Maner).

Es folgen 362  Listen, jeweils in fünf Teilen, die stets durch eine Anmerkung die historischen Angaben präzisieren.

1. Die in den besetzten Gebieten verhafteten Gefangenen (Zone der sofortigen Besetzung im Norden)
Gesamt: 65.324 Deportierte (75,2%)

2. Die Deportierten aus der Gegend Elsass-Moselle
Gesamt: 6.059 Deportierte (7%)

3. Deportierte aus dem Territorium des Dritten Reichs
Gesamt: 13 128 Deportierte (15,1%), darunter
– 6.737 aus dem Gefangenenlager Mauthausen deportierte Spanier und
– 6.391 im Gebiet des Dritten Reiches verhaftete und in den Gefängnissen und Konzentrationslagern internierte Gefangene.

4. Menschen, die nicht in andere Kategorien eingeordnet werden konnten (aufgrund fehlender Informationen)
Gesamt: 1.537 Gefangene (1,8%)

5. Gefangene durch Verfolgung
Gesamt: 779 Deportierte (0,9%)

Das Schicksal der Deportierten konnte in mehr als 92% ermittelt werden. Über 40% von ihnen sind nicht zurückgekommen.

Schließlich enthält Band 4 eine alphabetische Liste mit allen Deportierten, die der Fondation pour la Mémoire de la Déportation bekannt sind.

Zum ersten Mal ist es nun möglich, eine Gesamtzahl der Deportierten aus Frankreich zu nennen. So gab es etwas mehr als 162.000 Häftlinge, Männer und Frauen, die meist aufgrund der Repressionen verhaftet wurden. 75.721 davon waren Juden, von denen nur 3% zurückkehrten.

Diese Ergebnisse, eine wirkliche Pionierarbeit, sollten nun die historische Forschung über die Deportation erleichtern. So könnten beispielsweise typologische Studien von bestimmten Region dazu beitragen, die Lücken zu schließen.

 

Das « Gedenkbuch » online!

// Gedenkbuch der aus Frankreich Deportierten und aufgrund von Strafmaßnahmen und in einigen Fällen von Verfolgung Verhafteten

Die Rückkehr der Deportierten im Jahr 1945 war die Geburtsstunde eines Gedenkdiskurses. Die Nachweise und Geschichten sind zahlreich. Das primäre Ziel der Stiftung ist es, die Erinnerung von Zeitzeugen heute auch über die Generationen hinweg verewigt zu wissen.

Durch die Arbeit von Serge Klarsfeld ist bekannt, dass 75.000 Juden aus Frankreich deportiert wurden. Für die Personen, die aufgrund der Repressionen verhaftet und deportiert wurden, kann man nur weniger genaue Schlüsse ziehen. Die Zahl von „65.000 Menschen“, die damals vom Ausschuss der Geschichte des Zweiten Weltkrieges ermittelt wurde, die immer noch als Referenz bei der Vorstellung dieses Buches verwendet wurde, ist, wie wir jetzt wissen, quantitativ überholt. Eine neue Volkszählung wäre von entscheidender Bedeutung für die Erinnerung an die Gruppe von Deportierten.

Drei Hauptziele sind seit dem Start des Projekts verfolgt worden, die in der Ende 2003 erschienenen Ausgabe realisiert wurden: Identifizierung der Deportierten aufgrund der Repressionen, aufgrund des Widerstandes, « politischen » Geiseln, usw., eine chronologische Abfolge der Transporte, für jeden Deportierten die wesentlichen Informationen zu seiner Person, sowie ein Gesamtüberblick über die Umstände der Rückkehr und Zukunftspläne.

Um diese Ergebnisse zu erreichen, wurden historische Studien gestartet. Eine breitere Basis von Daten wurde gesammelt, die auch den Umstand der Festnahme erläutert. Diese Arbeit wurde anschließend dem Nationalen Archiv und dem Archiv des Verteidigungsministeriums übergeben. Die Frucht dieser Pionierarbeit ist im Wesentlichen, dass viele allgemeine und spezifische Aspekte der Deportation aus Frankreich endlich publiziert werden können und dass historisches Wissen darüber nicht verloren geht. Die Stiftung initiierte dieses Projekt in Kooperation mit der Universität von Caen.

Insgesamt wurden mehr als 85.000 Menschen bis heute registriert. In neun von zehn Fällen ist der Abtransport aus Frankreich und in acht von neun Fällen auch das Ende der Gefangenschaft bekannt. Darüber hinaus wurden 20.000 Einzelschicksale genauer studiert. Von der Stiftung (Fondation pour la Mémoire de la Déportation) wurden verschiedene Fälle als Teil des « Gedenkbuchs » explizit untersucht, um eine möglichst breitgefächerte Wiedergabe leisten zu können. Meist wurden die Inhaftierten zunächst in die Lager Compiègne und Romainville gebracht, ab 1944 auch in Gefängnisse der französischen Großstädte. Historiker waren auf den Spuren der Deportierten unterwegs, die nicht über die großen „Umschlagsplätze“ transportiert wurden. Oft wurden besondere Gefangene bei der „NN“-Aktion (Nacht-und-Nebel) verhaftet und auf kleinen Wegen deportiert.

Zudem wurden andere Ansätze verwendet, wie etwa der geografische Ansatz, wobei sowohl die Zonierung der deutschen Besatzung inklusive spezieller Abfahrten berücksichtigt wurde, als auch die der Alliierten. So hat die Stiftung die Wege der Deportierten rekonstruieren können, die oftmals während ihrer Inhaftierung den Standort wechselten. Der Weg der spanischen Widerstandskämpfer, die 1940 nach Mauthausen deportiert wurden, konnte ebenfalls erschlossen werden.

Schließlich wurden spezielle soziologische Ansätze genutzt, die sich unter anderem auf die Geschlechterrollen in den Konzentrationslagern bezogen.

Die Stiftung wünscht sich, dass durch dieses Buch erneut ein Gedenkdiskurs angestoßen wird. Dieses Buch widmet sich dem Gedenken an die Deportation, ein Massenvergehen mit vielen persönlichen Schicksalen.

Ohne die zahlreiche Mitarbeit wäre dieses Buch niemals entstanden. Ein großer Dank gilt somit allen, die daran mitgewirkt haben:  den Deportierten, ihren Familien, ihren Verbände, den Diensten des DMPA, dem Ministerium für Verteidigung, dem Archiv von Frankreich, lokalen Departementregierungen, ONAC und dem Museum des Widerstands und der Deportation in Besançon und allen, die aus beruflichen und persönlichen Gründen Dokumente gesammelt haben.

Klicken Sie hier, um weitere Informationen zu bekommen und um zur Hilfe bei der Anwendung der Datenbank zu gelangen.

Les commentaires sont fermés.

Fondation pour la mémoire de la déportation

FMD in English

English

FMD auf Deutsch

Suivez-nous sur

Soundcloud
décembre 2017
L M M J V S D
« Nov    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031